Darüber hinaus . . .

Mit dieser Seite möchte ich kein gediegenes Wissen über dieses Thema verbreiten. Das besitze ich überhaupt nicht. Ich bin Hobbyfotograf, der sich für dieses Motiv entschieden hat. Dennoch wäre es schade, wenn ich einige im Laufe der Zeit erhaltene Informationen und Gedanken hier nicht festhalten würde. Diese Seite hat daher für mich auch die Funktion eines Notizbuches.

Kanaldeckel oder Schachtdeckel bestehen in der Regel zu 100 % aus Gusseisen. Aus Kostengründen werden Deckel jedoch im Kern oftmals mit Beton verfüllt. Diese Version hat den Vorteil der geringeren Rutschgefahr bei Nässe. Mein Interesse hat natürlich die Ganzmetallversion, weil hier oftmals kreative Gestaltungen erfolgen.

Kanaldeckel, bei diesem Begriff möchte ich im Folgenden bleiben, erfüllen nicht nur den Zweck, Straßen, Wege und Plätze trotz der vielfältigen unterirdischen Kanäle und deren Öffnungen nach oben verkehrsfähig zu machen, sondern sie sind auch rückstausicher, wasserdicht, gas- und geruchsdicht oder mit Lüftungsöffnungen versehen. Für jede vor Ort vorhandene Notwendigkeit, gibt es den passenden Deckel, der letztendlich auch die Zugänglichkeit zum Schachtkanal sicherstellen muss. Aber auch das Gegenteil wird realisiert. Es gibt Zusatzsicherungen, die das unberechtigte Öffnen verhindern, um Vandalismus oder Sabotage zu auszuschließen.

Die Herstellung unterliegt den Normvorschriften DIN EN 124. Die Klassifizierung  erfolgt nach den Einbaustellen, die unterschieden werden nach Verkehrsflächen, die ausschließlich benutzt werden von Fußgängern und Radfahrern. Es folgt die nächsthöhere Klasse, die Belastungen auf Pkw-Parkflächen und Parkdecks standhalten muss. Dann kommen die Straßen des allgemeinen Straßenverkehrs. Danach folgt die Klasse für Flächen, die besonders hohe Radlasten zu tragen haben, wie beispielsweise in Werften oder Industriebetrieben. Darüber hinaus gibt es dann noch die höchste Klasse, die die Erfordernisse auf Flugverkehrsflächen abzudecken hat.

Der neuralgische Punkt jedes Kanaldeckels ist die stabile Einbettung des Deckels in die Verkehrsfläche, damit die gewaltigen Beanspruchungen durch den Fahrzeugverkehr keine Auswirkungen auf den Kanalschacht haben und keine Zerstörung der den Deckel unmittelbar umgebenden Fahrbahnfläche erfolgt. Hat ein solcher Schadenprozess erst einmal begonnen, ist abzusehen, wann der seitliche Halt ganz verloren geht und der Kanaldeckel absinkt mit der Folge, dass eine schlaglochartige Fahrbahndecke entsteht.  

Auf meinen Fotos ist bei älteren Kanaldeckeln erkennbar, dass die seitliche Einbindungsstelle in die Fahrbahnfläche sehr oft ausgebessert ist. Die Industrie hat sich dieser Problematik wirkungsvoll gestellt. Neuere Systeme verhindern, dass die Verkehrslasten die Schächte in vollem Umfang erreichen, weil das Deckelsystem die Verkehrslasten weitgehend auffängt. Die schönsten Exemplare habe ich in der Regel auf Marktplätzen und in Fußgängerzonen gefunden.

Sehr interessant war es für mich, mir die Aufschriften auf den Kanaldeckeln genauer anzusehen - insbesondere im Ausland - und diesen Begriffen im Internet zu folgen. Bei den Aufschriften ist es keineswegs so, dass ein Laie wie ich sofort erkennt, welche Bedeutung ein Aufdruck hat. Hierzu möchte ich einige Beispiele aufzeigen. Kanaldeckel heißen übrigens im Englischen MANHOLE COVER.

Die Fotos 3 und 4 aus Abu Dhabi tragen die Aufschrift KAJECO INDIA. Hinter dieser Aufschrift verbirgt sich die Firma Kajeco Industries, ein beachtliches Unternehmen, aus Agra in Indien, der Stadt, in der auch das Taj Mahal steht. Agra hat immerhin 1,5 Millionen Einwohner. In Google Earth ist die Stadt sehr deutlich erkennbar. Durch diese kleine Recherche bekommt ein Kanaldeckel für mich gleich eine neue Qualität.

Mehrfach findet man insbesondere international auf den Kanaldeckeln die Aufschrift Pont a Mousson ( Foto Frankreich Neu Breisach 1 ) oder einfach nur PAM. Hierbei handelt es sich um ein Unternehmen, das 1970 von SAINT GOBAIN übernommen wurde. Dies gilt wohl auch für Stanton + Staveley und Glynwed Brickhouse, Namen, die ich auf einigen Kanaldeckeln ebenfalls gelesen habe. Die Firma SAINT GOBAIN ist mit 200 000 Mitarbeitern sicherlich ein Gigant, wohl hauptsächlich mit Produkten und Dienstleistungen, die im weitesten Sinne mit Bauten zu tun haben. Das Surfen im Internet auf den Seiten dieses Unternehmens macht richtig Spaß, auch für einen Laien. Das Firmenlogo ist eine stilisierte Brücke oder ein Dach auf 8 Pfählen. Dieses Logo befindet sich auch auf vielen Kanaldeckeln.

Auf einem Kanaldeckel in Melbourne ( Bild 4 ) steht nur relativ klein: MMBW S. Dahinter verbirgt sich die „Melbourne Metropolitan Board of Works“, so etwas wie eine Behörde für Stadtentwicklungsplanung. Diese Behörde ist schon seit 1891 dafür verantwortlich, dass dem Bereich Melbourne ein angemessenes Be- und Entwässerungssystem zur Verfügung steht. Das muss man alles nicht wissen. Aber wenn man sich einmal für ein Fotomotiv entschieden hat, sollte man auch Interesse an dem Objekt über den reinen Anblick hinaus haben. Mir steht zum Beispiel ein Handbuch über Kanaldeckel mit vielen Details von der Fertigung bis zum Einbau zur Verfügung. Viele Kanaldeckel in Deutschland haben den Aufdruck PASSAVANT. Dieses alte deutsche Industrieunternehmen befindet sich heute unter dem Dach des deutschen Weltkonzerns ACO GROUP, Rendsburg.

Die meisten Kanaldeckel, die ich in Deutschland gesehen habe, tragen den Namen BUDERUS. Die Produktion ist in Limburg. In WIKIPEDIA ist die Geschichte dieses Unternehmens und der Familie BUDERUS nachzulesen. Seit dem Jahr 1678 ist der Name BUDERUS verbunden mit der industriellen Produktion in Deutschland. Eine bemerkenswerte Zahl möchte ich noch erwähnen: In Berlin soll es 200 000 Kanaldeckel geben.

So könnte ich noch Seiten füllen. Da gibt es Namen, die Hinweise auf Unternehmen geben, die bereits seit Jahrzehnten nicht mehr tätig sind. Da gibt es in den Galerien der Unternehmen Fotos, die einen wunderbaren Überblick über die baulichen Entwicklungen der Produktionsanlagen geben. Und es wird über Menschen berichtet, die dies alles „unternommen“ haben.